Unterwegs in Hamburg

 

Magda Thürey – Teil 1

„Der Erzieher soll das Kind zwei Dinge lieben lehren, den Frieden und die Arbeit, und ein Ding verabscheuen, den Krieg.“

[Anatole France]

Magda Thüreys Eintrag in das Poesie-Album einer ihrer Schülerinnen, 1929

Grindelberg 33                                            (c) M.Graß

„Der Grindelberg brannte auf beiden Straßenseiten“, erinnert sich der Hamburger Rolf Arnold (*1932), der als Kind die verheerenden Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges auf die Hansestadt er- und überlebt hat. Die einst attraktive Einkaufsstraße mit ihrer großbürgerlichen Bebauung, von der Rolf Arnold redet, war ebenso zerstört wie der gesamte Stadtteil Eimsbüttel, der innerhalb weniger Stunden nahezu dem Erdboden gleich gemacht wurde. Am darauffolgenden Tag verdunkelten dicke, schwarze Rauchwolken den Himmel und ließen es auch um die Mittagszeit nicht hell werden. Den Sonnenstrahlen des eigentlich wolkenlosen Sommertages gelang es nicht, die geschlossene Rauchdecke zu durchbrechen. Doch ein Haus, das noch heute aus den langweiligen Beton- und Backsteinbauten am Grindelberg hervorsticht, blieb verschont. In dem Stadthaus mit der Nummer 33 hatte 1899 Magda Thürey (geb. Bär) das Licht der Welt erblickt. Gemeinsam mit ihrer Schwester sowie einem Bruder wuchs sie in einer evangelischen Kapitänsfamilie auf. Ihrem Vater Hermann Karl Bär gelang es, in seiner Berufslaufbahn bis zum Schiffsoffizier aufzusteigen. Er verstarb jedoch bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, was zur Folge hatte, dass die Familie über die kommenden Jahrzehnte nur mit Müh und Not ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte.

Ich habe mich heute auf den Weg gemacht, um einige Orte aufzusuchen, die an Magda Thürey erinnern oder in ihrem Leben eine Rolle gespielt haben und spaziere bei herrlichem Sonnenschein durch den Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, der mit rund 56.000 Einwohner zu einer der am dichtesten besiedelten Regionen Hamburgs zählt. Dennoch gilt Eimsbüttel aufgrund der zahlreichen Grünflächen und der oftmals baumbestandenen Straßen als vergleichsweise grün und ist aufgrund seiner innenstadtnahen Lage, seiner Urbanität sowie seiner guten Infrastruktur besonders bei jungen Menschen sehr beliebt.

Vorbei an reichhaltigen Auslagen von Obst- und Gemüsehändlern, diversen Pizzerien, einladenden Cafés, Biobäckereien und Boutiquen spaziere ich die Osterstraße, die Hauptschlagader Eimsbüttels, entlang. Bei angenehmen Temperaturen haben es sich zahlreiche Hamburger mit einem Glas Wein und appetitlichen Snacks in den Außenbereichen der ansässigen Gastronomie gemütlich gemacht. In jüngster Vergangenheit wurden 8 Millionen Euro in die Sanierung der Straße investiert, mit dem Ziel, Fußgängern und Radfahrern mehr Bewegungsfreiheit und Sicherheit zu bieten und der Straße einen boulevardähnlichen Charakter zu verleihen.

Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium                                           (c) M.Graß

Lautes Kindergeschrei empfängt mich bereits rund 100 Meter vor dem Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium. Dort wo soeben hunderte Schüler ihre Pause mit verschiedensten Aktivitäten gestalten, ging auch Magda Thürey einst zu Schule. Zu jener Zeit handelte es sich bei der 1897 gegründeten Schule noch um eine reine Mädchenschule, deren Namensgeberin Emilie Wüstenfeld (1817 – 1874), eine Frauenrechtlerin und Hamburger Philanthropin, sich für die  weibliche Berufsbildung engagiert hat, um Frauen zu finanzieller Unabhängigkeit zu verhelfen.

Nach dem frühen Tod des Vaters und den damaligen dürftigen sozialen Absicherungen des Kaiserreiches trafen die Nöte des Ersten Weltkrieges Magdas Familie hart. Während ihrer Schulzeit wuchs in Magda Thürey der Wunsch, selbst als Lehrerin zu arbeiten, insbesondere um sozial benachteiligten Kindern, die von einer breiten schulischen Bildung fast ausgeschlossen waren,  zu einer umfassenden Bildung zu verhelfen und somit begann sie nach ihrem erfolgreichen Schulabschluss eine Ausbildung im nur einige hundert Meter entfernten Lehrerseminar Hohe Weide.




Ich setze meinen Spaziergang durch Eimsbüttel fort, das im Jahr 1275 als eines der kleinsten Dörfer vor den Toren Hamburgs zum ersten Male urkundlich erwähnt wurde. Im 17. Jahrhundert setzte der Zuzug wohlhabender Hamburger ein, die sich vor den Toren der Stadt Landhäuser errichten ließen. An Familien wie Alardus, Doormann, Faber, Lappenberg oder Lastrop erinnern heute noch einige Straßennamen in Eimsbüttel.

Die Lutterothstraße, die ich soeben durch einige kleine Gassen erreicht habe, weist ebenso auf eine traditionsreiche Hamburger Familie hin. Ascan Wilhelm Lutteroth (1783-1867) siedelte als wohlhabender Mann von Thüringen in die Hansestadt um, wo er das Bank- und Handelshaus Lutteroth & Co. gründete, in den Hamburger Rat gewählt wurde und das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters bekleidete. Sein Sohn Christian Friedrich Lutteroth (1822 – 1896) war ebenso Mitglied des Hamburger Senats wie auch sein Enkel Arthur Lutteroth (1846 – 1912).

Schule an der Lutterothstraße                                                  (c) M.Graß

Nach Abschluss ihrer Seminarausbildung wurde Magda Thürey 1919 als Lehrerin für Mädchen in der Schule an der Lutterothstraße eingestellt. Die Grundschule, vor deren hohen Fassade ich stehe, weist noch heute zwei separate Eingänge auf, durch die Jungen und Mädchen das Gebäude zur damaligen Zeit gesondert betraten.

Ihre damalige Kollegin Else Wrange erinnert sich: „Das Elend der Nachkriegszeit, der Hunger und die Armut, die Sorgen und Nöte der Inflationszeit, die Arbeitslosigkeit – das alles war für uns Ansporn, die Kinder umso liebevoller zu umsorgen.“ Frau Junius, eine langjährige Schülerin Magda Thüreys blickt zurück: „Der ganze Umgang mit ihr war irgendwie anders als mit anderen Lehrern. Man hatte bei ihr keine Angst. An der Schule gab es viele Kinder, die sitzengeblieben waren, aber Frau Thürey nahm jedes Kind mit rüber.“

Magda Thürey mit ihrer Klasse

Magda, die dem bestehenden autoritären Schulsystem sehr kritisch gegenüberstand, knüpfte zu jener Zeit Kontakte zu bohèmeartigen Kreisen und politisch linken Gleichgesinnten, arbeitete aktiv in der Hamburger Lehrergewerkschaft mit und trat 1925 der KPD bei. Sie nahm ihre pädagogische Arbeit sehr ernst, orientierte sich an den Erziehungsidealen Pestalozzis und nahm sich insbesondere Kinder an, die aus ärmeren Verhältnissen stammten.

Magda Thüreys Gedanken und ihre Haltung deckten sich mit den damaligen Strömungen in ihrem Umfeld. Weite Teile Eimsbüttels, insbesondere die Straßen im nordwestlichen Eimsbüttel, durch die ich mich soeben bewege, waren überwiegend von Arbeiterfamilien und ärmeren Schichten bewohnt. Politisch galt Eimsbüttel als „roter“ Stadtteil, in dem zahlreiche SPD- und KPD-Mitglieder lebten, für die Forderungen nach Teilhabe an Bildung und das Interesse an reformpädagogischen Ideen eine zentrale Rolle spielten.

Kreuzung Bundesstraße / Hohe Weide                               (c) M.Graß

Bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg im Februar 1928 bestätigte sich, dass die gesamte Stadt überwiegend links orientiert war. Die SPD und die KPD erzielten zusammen mehr als 50% der Wählerstimmen, während die NSDAP mit lediglich 2% eine Splittergruppe blieb. Bereits drei Monate darauf erfolgten die Neuwahlen für den Reichstag in Berlin, bei denen das Hamburger Ergebnis kaum anders ausfiel als bei den vorangegangenen Wahlen, doch zeigte sich im Wahlkampf bereits die zunehmende Eskalation der politischen Auseinandersetzungen. An der Kreuzung Bundesstraße / Hohe Weide trafen des Nachts Mitglieder des Reichsbanners, eines politischen Wehrverbandes, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, die Weimarer Republik gegen Feinde aus den nationalsozialistischen, monarchistischen und kommunistischen Lagern zu verteidigen, auf Nationalsozialisten, die soeben Werbeplakate anbrachten. Es entwickelte sich eine gewalttätige Auseinandersetzung, bei der ein Reichsbannermitglied erschossen wurde.




Zu jener Zeit ereigneten sich zwei einschneidende Ereignisse in Magda Thüreys Leben. Sie erhielt die niederschmetternde Diagnose, an Multipler Sklerose erkrankt zu sein, doch erlebte sie zugleich privates Glück. Sie lernte Paul Carl Ludwig Thürey kennen und lieben.

Magda und Paul Thürey                               (c) Gedenkstätte Ernst Thälmann

Paul Thürey hatte eine Lehre als Schlosser und Maschinenbauer in der Elektromotorenfabrik Conz in Bahrenfeld abgeschlossen, sich während seiner Lehre der radikalen Arbeiterbewegung angeschlossen und war 1920 in die KPD eingetreten. 1922 verlor er seine Beschäftigung und fand über Jahre lediglich kurzfristige Jobs bei verschiedenen Firmen, bis er 1930 bei seiner Lehrfirma endlich eine feste Anstellung erhielt.


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Vizekanzler Von Papen am Wahltag

Bei den vorgezogenen Reichstagswahlen im September 1930 ragt Hamburg auf den ersten Blick, entgegen der politischen Strömung in Deutschland, wie eine rote uneinnehmbare Burg empor.  Die SPD erreicht mit 32% fast 10% mehr Stimmen als im Reich.  Doch auch in Hamburg wuchs der Stimmenanteil der NSDAP sprunghaft – dieses gilt auch für den Wahlbezirk Eimsbüttel – und sie überflügelte mit 19% erstmals die KPD, die mit 18% in Hamburg nach wie vor signifikant mehr Stimmen erhielt als im Reich.

Es wurde rauer auf Hamburgs Straßen. Anhänger von SPD, KPD und Nationalsozialisten lieferten sich wiederholt wilde Prügeleien und Messerstechereien, während die Weltwirtschaftskrise zunehmend dramatischere Ausmaße annahm und insbesondere die Hafenstadt Hamburg, die auf internationalen Handel angewiesen war, hart traf und die Arbeitslosenzahl täglich stiegen ließ. In dieser angespannten Atmosphäre fanden im September 1931 Bürgerschaftswahlen statt. Während des erbitterten Wahlkampfes stand Gewalt auf den Straßen an der Tagesordnung. Erst am Wahltag, einem sonnigen Herbsttag, kehrte endlich Ruhe in der Stadt ein, bis um 20 Uhr das Hamburger Abendblatt auf seiner Titelseite verkündete: „Die Nationalsozialisten machen das Rennen – Mitte zertrümmert – starke Kommunistengewinne“. Die SPD hatte erheblich an Stimmen verloren und lag mit 27% in der Wählergunst nur noch hauchdünn vor der NSDAP, doch gelang es der KPD diese Stimmverluste mehr als auszugleichen, sodass SPD und KPD theoretisch eine deutliche Mehrheit besessen hätten, die sie aufgrund gegenseitiger Ressentiments jedoch nicht zu nutzen wussten und Neuwahlen anberaumt werden mussten.

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Hitler während einer Wahlkampfrede 1932

Adolf Hitler unterstütze den Wahlkampf in Hamburg persönlich und hielt eine Rede auf einer Motorradrennbahn am Nordrand von Eimsbüttel, zu der 120.000 Menschen herbeiströmten, die, als sich die Veranstaltung am Abend auflöste, in Scharen durch Eimsbüttel zogen. Dort wehten nach wie vor überwiegend rote Fahnen aus den Fenstern, während Hakenkreuzflaggen nur vereinzelt auftauchten. Der verstärkte Wahlkampf der NSDAP zeigte Erfolg. Bei der Neuwahl wurde sie erstmals stärkste Partei in Hamburg, doch erneut ließ das Wahlergebnis keine arbeitsfähige Mehrheit zu. Die KPD erzielte 16% der Stimmen und zog mit 26 Sitzen in die neue Bürgerschaft ein. Eine ihrer Abgeordneten war Magda Thürey, die als Spezialistin für Schulfragen galt.

Bei den letzten freien Reichstagswahlen im November 1932 erhielt die NSDAP selbst in Eimsbüttel 28,0% der abgegebenen Wählerstimmen (vgl.: im Reich erreichten die NSDAP 33%). Zwar errangen SPD und KPD in traditionellen Arbeiterbezirk nach wie vor mehr als 50% der Stimmen, doch zutiefst zerstritten bekämpften sich die beiden Arbeiterparteien im „roten Eimsbüttel“ gegenseitig mit ähnlicher Vehemenz, wie sie ihre Differenzen in Straßenschlachten mit der SA ausfochten, die im Stadtteil mittlerweile mehrere „Sturmlokale“ unterhielt. Die Idee der „Sturmlokale“ war einige Jahre zuvor in Berlin entstanden. Die Nationalsozialisten bemühten sich insbesondere in Arbeiterbezirken die Unterstützung der Gewerbetreibenden zu gewinnen und gingen gezielt auf Gastwirte zu. Da sie den Wirten einen größeren Umsatz garantieren konnte als die kommunistische Kundschaft, die in der allgemeinen Krise zum wirtschaftlich schwächsten Teil der Arbeiterschaft gehörte, kam es nicht selten vor, dass ein Wirt den Avancen erlag.

Die NSPAD ging mit 33% als eindeutig stärkste Partei aus den Reichstagswahlen hervor, was zur Folge hatte, dass Adolf Hitler am 30. Januar 1933 vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde. Hitler besaß jedoch nicht die Mehrheit im Reichstag und konnte nur auf der Basis des Notverordnungsrechtes agieren.

Im gesamten Reich gab es nur noch wenige Orte, in denen die SPD an der Regierung mitwirkte und Hamburg war die größte Stadt, die noch nicht unter Beteiligung der NSDAP regiert wurde. Es ist eine große Tragik, dass es der SPD und KPD, wie in der Vergangenheit, auch in diesem entscheidenden Moment der deutschen Geschichte, nicht gelungen ist zu kooperieren. Stattdessen behielt bei beiden Parteien das reflexhafte Misstrauen gegenüber dem jeweils anderen die Oberhand. Die SPD betonte noch immer den Kampf gegen den Kommunismus, obwohl das Reich augenscheinlich von ganz anderen Mächten bedroht wurde, während die KPD anhaltend bemüht war, sich gegen die Sozialdemokratie abzugrenzen.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme sahen sich insbesondere die Kommunisten mit einer massiven Verfolgung konfrontiert. Der Brand des Reichstages am 27. Februar 1933 wurde von den Nationalsozialisten als Vorwand herangezogen, linksgerichtete Zeitungen zu verbieten und eine umfangreiche Verhaftungswelle gegen die kommunistische Partei durchzuführen.

Einstiges Wohnhaus von Ernst Thälmann                          (c) M.Graß

Dessen Vorsitzender Ernst Thälmann war nicht auffindbar, offensichtlich aus Hamburg geflohen, wurde jedoch schon bald in seinem Versteck in Berlin entdeckt und ebenfalls verhaftet. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels stellte in einer Rede klar, dass er „die kommunistischen Brandstifter“ überwiegend in Hamburg verortete und drohte unverhohlen: „Unsere Faust wird schwer auf sie niederfallen!“

Auf Grundlage der Verordnung „zum Schutz von Volk und Staat“ wurden allein in Hamburg bis Juli 1933 ca. 2400 Kommunisten verhaftet. SA-Männer, kurzerhand zu Hilfspolizisten ernannt, führten gemeinsam mit der Polizei Razzien durch und drangsalierten tagtäglich die Bevölkerung. Obwohl sich zahlreiche der nicht verhafteten KPD-Mitglieder bemühten, den Widerstand in der Illegalität fortzusetzen, gelang es der Gestapo mittels umfangreicher Verhaftungsaktionen und massiver Verfolgungsmaßnahmen die Organisationsstrukturen der KPD in Hamburg über die kommenden Jahre zu zerstören.

Aufgrund der beginnenden Diktatur des Nationalsozialismus und der Übergriffe auf deren politische Gegner kann bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 kaum noch von einer freien Wahl gesprochen werden. Auch wenn SPD und KPD nichts unversucht ließen, um ihre Wähler zu mobilisieren, siegte die NSDAP mit 43% deutlich. In Hamburg gelang es ihr jedoch mit 39% nicht, die notwendige Mehrheit zu erringen, da die SPD (27%) und KPD (17%) in der Summe nach wie vor mehr Wählerstimmen auf sich vereinen konnten.

Drei Tage später kam es zur konstituierenden Sitzung des Hamburger Stadtparlaments. Einziger Tagesordnungspunkt war die Wahl des neuen Senats, wofür auf den 160 Sitzen im Ratssaal Stimmzettel bereitlagen. Gemessenen Schrittes betraten die neugewählten Abgeordneten den Saal, wobei die Plätze der KPD leer blieben. Deren gewählte Vertreter waren entweder bereits verhaftet worden oder untergetaucht. Die Abgeordneten der SPD verlasen zu Beginn der Sitzung eine kurze Erklärung und verließen aus Protest den Saal. Da jedoch noch immer mehr als die Hälfte der Abgeordneten anwesend waren, bestand Beschlussfähigkeit. Die „Wahl“ wurde somit zu einer Farce und die Bekanntgabe des Ergebnisses ging in den lauten „Bravo“-Rufen der Nationalsozialisten fast unter. Kurz darauf wurde Carl Krogmann, ein parteiloser, bislang politisch nicht in Erscheinung getretener Industrieller, zum Bürgermeister gewählt. Am Abend standen Hundertschaften der SS, SA sowie der Polizei in Reih und Glied auf dem Rathausplatz – umringt von Zehntausenden Zuschauern, die den Moment miterlebten, als in Hamburg eine Ära zu Ende ging und eine neue Zeit begann. Die Kirchenglocken läuteten und eine Kapelle spielte „Nun danket alle Gott“, als unter ungeheurem Jubel der neue Senat auf den Rathausbalkon trat. Bezeichnenderweise griff nicht der neue Bürgermeister zum Mikrofon, sondern Gauleiter Karl Kaufmann: „Wir haben jetzt die Macht ergriffen und wir werden sie zu halten und zu verteidigen wissen!“

Bereits ein halbes Jahr nach der Wahl von Carl Krogmann zum Ersten Bürgermeister stand die Hamburger Bürgerschaft vor ihrer Auflösung und die NSDAP regierte als alleinige Partei in der Hansestadt. Während sich der überwiegende Teil der Bevölkerung in das neue System einfügte, gab es nur wenige Aufrechte, die mutig gegen den Terror und die Unterdrückung der menschenverachtenden Diktatur Widerstand leisteten. Zu jenen gehörten die Kommunisten – unter ihnen Magda Thürey.

Näheres zu ihrem weiteren Schicksal folgt im 2.Teil.

 

Danke an die Gedenkstätte Ernst Thälmann in Hamburg, die mit ihrem umfangreichen Archiv die Arbeit an diesem Text unterstützt hat.

 




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